29.11.2016

BIOGRAFIEN DER MODERNE: GERARD BRIGDEN IN ISLAMABAD

Biografien der Moderne ist eine Veranstaltungsreihe von ski stadtkultur international ev im CLB Berlin, konzipiert von Moritz Henning mit Dr. Eduard Kögel.

Start der Reihe:
Eduard Kögel berichtet über den britischen Architekten Gerard Brigden und sein Werk in Islamabad

Pakistan und seine Hauptstadt Islamabad machen, gerade in jüngster Zeit, kaum durch ihre Architektur von sich reden. Das war einmal anders, denn in den 1960er Jahren war die Stadt ein spannendes Experimentierfeld der Moderne.

1958 übernahm General Muhamad Ayub Khan die Macht in Pakistan und ließ umgehend nach einen Ort für eine neue Hauptstadt suchen, weit entfernt vom „korrupten Klima“ der bisherigen Machtzentrale Karatschi. Als Stadtplaner berief man Konstantinos Doxiadis, der auf Basis seiner eigenwilligen Theorie „Ekistics“ ein gigantisches Raster als Grundlage der Entwicklung der Region Islamabad / Rawalpindi vorschlug. Bei der Skizzierung architektonischer Projekte, die Muhamad Ayub Khan gerne in einer „Moghul-Tradition“ sehen wollte, arbeiteten neben den lokalen Architekten der Capital Development Authority (CDA) z. B. Gio Ponti, Louis Khan, Arne Jacobson und Derek Lovejoy.

In die CDA eingebettet war das von Gerard Brigden geführte, britische „Colombo-Team“. Brigden, der in London studiert hatte und im Laufe seines Lebens u. a. in Burma, London, Kenia, USA und Frankreich tätig war, entwarf von 1962 bis 1966 in Islamabad Wohnanlagen, Schulen, ein Government Hostel, Hospitäler und Bazare. Sein Beitrag versuchte auf intelligente Weise lokale Traditionen zu nutzten und sie in einer zeitgenössischen Ausdrucksform neu darzustellen.

Der Vortrag wird Leben und Werk von Gerard Brigden im Kontext der Entwicklung Islamabads darstellen und dabei auf Materialien aus dessen Privatarchiv zurückgreifen.

Im Anschluss ist Zeit für Gespräche und Getränke. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen!

ZUR REIHE:

Die Moderne wird gemeinhin als im Westen verortet wahrgenommen. Aber auch in anderen Teilen der Welt kamen Mitte des 20. Jahrhunderts neue Gestaltungsideen auf, die Diskurse auslösten und Traditionen oder koloniales Erbe in neue Zusammenhänge stellten.

Die Reihe „Biografien der Moderne“ spürt in Süd- und Südostasien Leben und Werk prägender Architekten nach und fokussiert dabei auf die fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Wie in Europa war diese Zeit auch vielerorts in Asien von einer gesellschaftlichen Aufbruchstimmung geprägt, die sich in Architektur und Stadtgestaltung lesen lässt. Darin spiegeln sich nicht nur individuelles Interesse und Können ihrer Architekten wider, sondern ebenso fachliche Netzwerke, politische Verhältnisse, gesellschaftliche Bedingungen oder technische Errungenschaften.

Bis heute finden sich Bauten dieser Epoche in den Städten Asiens, die jedoch von der wirtschaftlichen Dynamik Asiens und einer Neudefinition kultureller Identität bedroht sind. Vor diesem Hintergrund wird auch die aktuelle Rezeption dieses baulichen Erbes Gegenstand der Diskussion sein.

Die nächsten Veranstaltungen:

Donnerstag, 19. Januar 2017, 19.30 Uhr
Moritz Henning berichtet über Leben und Werk von Lu Ban Hap in Kambodscha

Donnerstag, 23. März 2017, 19.30 Uhr
Sandra Bartoli und Silvan Linden berichten über den thailändischen Architekten Sumet Jumsai

Termine

29.11.2016

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